HC Roth: Der Tag, als Berta Bluhmfeld starb Kurzgeschichten, 154 Seiten
Der Tag, als Berta Bluhmfeld starb, war ein heißer, ein sehr heißer Tag. Ich saß an meinem Swimmingpool, die Sonne schien mir ins Gesicht, die Sonnenbrille saß lässig auf der Nase. Als das Telefon klingelte, war ich gerade dabei, eine Flasche Champagner zu öffnen, immerhin hatte ich etwas zu feiern.
HC Roth entführt den Leser auf eine paradiesische Insel, an deren Strand zahllose gescheiterte Existenzen gespült wurden: traurige Staubsauger, abgehobene Außerirdische, verstörte Kriegsheimkehrer, verliebte Fische, Barkeeperinnen mit Burn-Out-Syndrom und abgehalfterte Rockstars geben sich hier die Klinke in die Hand. Teils bissig, teils liebevoll entwirrt er ein Knäuel von oftmals frappierenden Zusammenhängen, welche sich auch über und hinter dem Horizont fortsetzen, wobei es dem Autor gelingt, ein faszinierendes, fesselndes Märchen zu erzählen, in das man sich verliert, verliebt, und mit angehaltenem Atem zu der Feststellung gelangt, dass am Ende wohl doch jeder bekommt, was er verdient.
Eine außergewöhnliche Allegorie auf das Leben.
Hätte mich nicht die Schönheit des Moments gelähmt, die Kraft des Ozeans mir den Atem geraubt, ich wäre verwundert, ja, sehr verwundert und erstaunt gewesen ob jener Geschehnisse, welche sich da nur einige Hütten weiter abspielten. Doch all das nahm ich nur am Rande wahr, kam mir nicht im Geringsten seltsam vor, es geschah halt. Es passierte eben, passierte zwar, geschah, war da, nicht aber in meiner Realität.
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